Die Welt der Lina van de Mars

  • Posted on: 10 February 2011
  • By: Sascha Namolnik
Lina van de Mars

Ihre roten Fingernägel sowie die zahlreichen Tätowierungen sind ihr Markenzeichen. Sie verkörpert einen neuen Typ von Frau, die Massenkonformität ablehnt und Individualismus bevorzugt. Im Interview lässt sich erkennen, dass nicht nur ein gradliniger Weg zum Ziel führt aber der Weg zielführend sein sollte.

Sascha Namolnik: Auf Wikipedia ist zu lesen, dass Du erst mit über 20 dein Abitur gemacht hast. Ist das richtig?

Lina van de Mars: Ach Quatsch, ganz normal mit 19 Jahren. Ein Problem des Internets ist es, dass jeder einen Eintrag über meine Person machen kann, ohne eine Freigabe meinerseits zu erhalten. Und dann kommt so etwas heraus. Übrigens das Bild, welches auf Wikipedia hinterlegt ist, ist ein perfektes Beispiel dafür. Jemand hat herumgebastelt, jetzt sieht es so aus als hätte ich 20 kg mehr auf den Hüften.

Sascha Namolnik: Die nächste Station war dann an der Universität. Dort hast du Dich ja eingeschrieben für niederländische und indische Philologie sowie Kunstgeschichte. Was waren die Beweggründe?
lina van de mars

Lina van de Mars: Damals habe ich bei der Band Lemonbabies Musik gemacht und wollte zusätzlich auch was studieren. Da ich niederländische Wurzeln besitze lag es eben nahe, dass ich Niederländisch studiere einfach auch um die Sprache besser zu lernen. Damit ich überhaupt studieren konnte, musste ich auf der Universität noch ein zweites und drittes Fach belegen. Ich habe mich für indische Philologie entschieden, wegen Nina Hagen. Ich hatte sie damals schon über die Musik kennengelernt und mir dann von ihr ein bisschen einen Indienfloh ins Ohr setzen lassen. In dieser Zeit habe ich so viel Musik gemacht, dass ich gerade noch Niederländisch 2 Jahre lang durchziehen konnte.

Sascha Namolnik: Hast Du danach die Ausbildung als Kfz-Mechanikerin angefangen?

Lina van de Mars: Nein. Kurz nach dem Studium habe ich bei Sony Music angefangen zu arbeiten. Als sich Sony Musik damals neu auf dem Markt positionierte, bin ich gegangen und hing dann so ein wenig in der Luft und habe mich gefragt was machste nun?
Nur mit Musik… verdienste keine Brötchen. Studieren will ich auch nicht. Ja und dann hatte ich auch Pech mit meinem alten Ford Taunus, bei dem der Kühler kaputt war. Glücklicherweise hatte ich einen Freund, der in einer Werkstatt arbeitete und den ich fragen konnte: Wie tausche ich dies, wie mache ich das? Irgendwann bemerkte dies der Meister der Werkstatt, zog mich beiseite und meinte: „ Du bist so oft hier und fragst und fragst. Wir wiederum suchen noch einen Lehrling. Wieso lernst du es nicht einfach?“ Ja, so bin ich dann zur Kfz-Mechanikerin gekommen.

Sascha Namolnik: Dieser Beruf ist ja immer noch eine Männerdomäne. Welche positiven –welche negativen Erfahrungen hast Du gemacht?

Lina van de Mars: Also im ersten Jahr habe ich leider sehr viele negative Erfahrung gemacht In dieser Werkstatt haben mich manche Mitarbeiter sogar „gemobbt“, wie man es so schön sagt. Ich wurde da einfach alleine stehen gelassen und gerade als Frau hast du auch gar nicht die Körperkraft, um gewisse Arbeiten zu verrichten.
Aber nach einem Jahr habe ich die Werkstatt gewechselt und bin dann in einer Oldtimerklitsche gelandet, in der alle sehr nett zu mir waren. Im Großen und Ganzen muss ich aber sagen, wenn du dich als Frau für einen Männerberuf entscheidest, dann wirst du auch von deinen männlichen Kollegen akzeptiert werden. Sobald diese dann auch wissen, dass du wirkliches Interesse an dem Beruf besitzt und sie mit dir über Autos und die Arbeit erzählen bzw. fachsimpeln können, erhältst du dann automatisch den Respekt.

Sascha Namolnik: Seit September 2006 moderierst du ja zusammen mit dem Alexander Wesselsky, "Der Checker" auf DMAX. Wie kamst du zu dem Format?

Lina van de Mars: Ich habe während meiner Lehrzeit schon auf DSF „Tuning TV“ moderiert und habe mein letztes Lehrjahr auch zeitgleich mit meiner neuen Fernseharbeit bestritten. Ich wurde damals einfach in dieser Oldtimerwerkstatt entdeckt, gecastet und nachdem ich dann für die Produktionsfirma schon ein paar Jahre gearbeitet hatte, stand von vorne herein fest, dass ich eben diesen weiblichen Part beim „Checker“ bekomme.

Sascha Namolnik: Ist es richtig, dass Dein Traumauto ein 66er Mustang ist?

Lina van de Mars: Diesen Traum habe ich mir bereits erfüllt und vor zwei Jahren an eine Freundin von mir wieder verkauft, um mir mein nächstes Traumauto zu erfüllen. Eine rote Corvette Stingray, die ich nun besitze und heiß und innig liebe

Sascha Namolnik: Bei deinen Tätowierungen sind die beiden Pistolen besonders auffallend. Wie kamst du zu deinen Tätowierungen?

Lina van de Mars: Also bei mir gehört ja immer eine Geschichte dazu. Die Pistolen habe ich mir zum Beispiel stechen lassen, weil ich auf alte Westernfilme stehe. Darin haben die Frauen in ihren Strumpfbändern oftmals diese kleine Ladyknarre. Irgendwann habe ich mit einem Freund rumgescherzt und gesagt „ich wäre auch gerne schwerbewaffnet“ und irgendwann meinte er „komm wir tätowieren dir ne Pistole“. Am Ende haben wir uns einfach darauf geeinigt zwei Knarren zu tättoowieren, damit es aussieht als hätte ich diese im Hosenbund stecken. So gibt es zu jeder Tätowierung einen speziellen Moment im Leben. Ich hab jetzt mit einem Freund aus Salzburg noch einmal den Arm angefangen. Nachdem dieser fertig gestellt ist, wird auch erst einmal Schluss für mich mit den Tätowierungen sein.

Sascha Namolnik: Eine nicht ganz so ernste Frage kommt von unseren weiblichen Kolleginnen. Wie bekommst du es im Fernsehen, nach dieser gesamten „Schrauberei“, immer wieder hin, diese gepflegten Fingernägel zu haben?

Lina van de Mars: Also ich hatte die ersten eineinhalb Jahre nicht ganz so gepflegte Fingernägel, weil diese einfach nur rot lackiert waren. Dies ist schon seit Jahren mein Markenzeichen. Ich hab damit bereits in der Lehrzeit angefangen, weil ich es einfach hässlich finde als Frau abgerissene und schwarze Nägel zu haben. Ausnahmsweise hat man als Frau auch einmal einen Vorteil. Du machst dir rote Farbe drauf und zack sieht man den darunter befindlichen Schmutz nicht mehr. Die eine oder andere Frau hat mir in dieser Zeit geschrieben, dass es eklig aussehen würde, wenn der Nagellack abblättert und mir deshalb zu Gel-Nägel geraten. Gesagt getan, die Nägel sehen nun immer gepflegt aus, der Schmutz hängt drunter und alles ist schick...
(Anmerkung der Redaktion: Bitte liebe Leser nicht ganz so ernst nehmen diese Antwort….)

Sascha Namolnik: Danke dir für das Gespräch

Erscheinungsdatum: 26.2.2010 (In der reifenwelt)